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Bericht zur Haltung und Zucht von Muskatbronzemännchen

in Muskatbronzemännchen (Lonchura punctulata) 29.09.2009 23:14
von finkenfranke (gelöscht)
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Muskat-Bronzemännchen Lonchura punctulata

Vorkommen

Muskat-Bronzemännchen bevölkern große Gebiete auf dem asiatischen Kontinent, von Indien, östliches Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam, China, Taiwan, Birma, Malaysia, Sumatra, Java, Bali, Sumba.
Durch "Einbürgerung" sind sie auch in Australien anzutreffen. Sie haben sich hier in den Lebensräumen dort heimischer Prachtfinken breit gemacht und drängen teilweise dortige Ursprungspopulationen zurück.
In den riesigen Verbreitungsgebiet kommt er in unterschiedlichen Populationen vor, ist aber fast überall häufig. Im Osten Australiens ist er im Begriff, sich sehr stark zu vermehren und auszubreiten. Diese Tatsache zeigt uns auch, dass die Muskater sehr anpassungsfähig sind.


Geschichtliches

In Europa wurden sie bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts eingeführt. Eine Erstzucht kann nicht mehr nachvollzogen werden. Lassen wir Karl Ruß, in seinem Handbuch für Vogelliebhaber, -züchter und -händler, Band I. Fremdländische Stubenvögel, von 1887 zu Wort kommen:

“Der Muskatvogel (Spermestes punctularia)
Seit altersher eingeführt, bis heutzutage häufig; hübschen Gefieders wegen viel gekauft. Durch stilles, nicht anmuthiges Wesen bald überdrüssig, zumal auch schwierig zu züchten. Wissenschaftlich unterscheidet man vier Arten und zwar:
- der gepunktete Muskatvogel (S. punctularia).
- der gewellte Muskatvogel (S. undulata).
- der gelbschwänzige Muskatvogel (S. topela)
- der rothbraune Muskatvogel (S. Fuscans)
Für die Liebhaberei hat diese Unterscheidung keine Bedeutung; nur zwei. Der gepunktete und gewellte M. Werden lebend eingeführt. Der M. Im allgemeinen ist harmlos und freidlich. Sang unbedeutend, wie bauchrednerisch, schließt bei den javanischen M. Mit lauteren Tönen. In meiner Vogelstube ist der gepunktete M. Zuerst gezüchtet. Nistet schwierig; frei im Gebüsch oder im geräumigen Kästen, oder auf

einem Drahtbauer, hoch an der Wand. Nest unordentlich, wirr, Haufen von groben Genist, innen mit federn und Baumwolle ausgepolstert. Brutverlauf wie der des Silberfasänchens. Im Laufe der Jahre erzielte ich nur zwei mal Junge. Geschlechter schwer zu unterscheiden; kein anderes sicheres Kennzeichen, als Sang des Männchens. Mischlinge mit Mövchen und Silberfasänchen gezüchtet. Preis: Paar 4 - 6 Mark.

Der Muskatvogel oder die Muskat-Amadine heißt auch Domino, Röthelmunie und Topela”


Beschreibung und Unterarten

Es werden 12 Unterarten unterschieden. Wobei es bei einigen Unterarten auch recht strittig ist und diese sich schlecht von einander unterscheiden lassen.

Optisch lassen sie sich in zwei Gruppen teilen. Zum einen die Vögel mit den dunklen Schnäbeln von Bleigrau bis Schwarz. Die zweite Gruppe mit einem dunklen Oberschnabel und hellen Unterschnabel.
Es kommen dann noch die diversen Körperfarben und Zeichnungen / Schuppungen hinzu. So kann man sich langsam an die verschiedenen Unterart herantasten und Vögel zuordnen.
Die Grundfarben der Muskater sind verschiedene Brauntöne bis zum Schwarz, sowie Weiß und Cremig.

Es ist schon erstaunlich, was die Natur mit doch recht wenigen Farben zu Stande bringt.

Auch bei den Muskat-Bronzemännchen gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterscheidungsmerkmale. Hier kann uns der Gesang und das Balzverhalten der Männchen weiter helfen. Da der Gesang recht schlecht hörbar ist, kann oft nur das Vibrieren der Kehlfedern Aufschluss geben. In heutiger Zeit ist die Nutzung der DNA-Analyse eine gute und kostengünstige Alternative und garantiert uns das Geschlecht.
Die Körpergröße der Muskat-Bronzemännchen liegt zwischen 10 - 13 cm.
Sie gehören somit zu den größeren Bronzemännchenarten.

Auf Grund der bisher vorliegenden Informationen, zu den derzeitig noch gehaltenen Unterarten kommen für uns die nachfolgenden in Betracht,
Lonchura punctulata punctulata auch indisches Muskat-Bronzemännchen genannt. Die Körpergröße liegt bei 12 - 13 cm.
Schnabel schwarz, Augen rotbraun, schwarzbraune deutliche Schuppenzeichnung auf der Brust, diese ist an den Flanken schwarz, Oberschwanzdecken und mittlere Schwanzfedern leuchtend braungelb.

Lonchura punctulata topela chinesisches Muskat-Bronzemännchen.
Schnabel schwarz, Augen dunkelbraun. Es ist 12 cm groß und hat nur eine kleine dunkelbraune Gesichtsmaske. Das übrige Gefieder der Oberseite sowie der Kopfseiten ist nicht sehr kräftig braun gefärbt. Die Federn zeigen deutlich helle Schaftstriche, auch bei der Schuppenzeichnung auf der Brust und den Flanken.

Lonchura punctulata sumbae Schnabel OS: dunkel, US: blaugrau. 11 cm Körpergröße. Kopf- und Rückengefieder sind rotbraun. Auch die Schuppenzeichnung der Unterseite ist dunkel rotbraun.

Lonchura punctulata nisoria Schnabel OS: dunkel, US: blaugrau. Körpergröße 11 cm. Nicht sehr farbintensiv. Oberschwanzdecken und Schwanzfedern grau.

Lonchura punctulata blasii Schnabel OS: schwarz, US: blaugrau. 11 - 12 cm groß. An Kopf, Kehle und Rücken kräftig rotbraun. Die Schuppenzeichnung der Unterseite ist dunkler rotbraun als bei der UA L.p.sumbae. An den Flanken sogar schwarz.
Sehr zu empfehlen ist für die Unterartbestimmung des Fachbuch von Robin Restall - “Munias and Mannikins”.


Haltung und Zucht

Die Haltung für die Muskat-Bronzemännchen sollte in großen Käfigen oder Volieren erfolgen.
Dem Bewegungsdrang ist Rechnung zu tragen. Zuchtboxen unter einem Meter Länge sind für die Tiere nicht ausreichend. Wie müssen uns vor Augen führen, das es sich nicht um domestizierte Vögel, wie Zebrafinken oder Japanische Mövchen handelt. Ihr Temperament zeigt uns noch das Wildblut.

Es sind recht widerstandsfähige Vögel. Sie sollten aber trotzdem, in der kälteren Jahreszeit die Möglichkeit haben, sich in temperierte Räume zurückziehen zu können. Meine Tiere überwintern bei 18 - 20°C.
Durch ihr friedliches Verhalten sind sie auch für die Gemeinschaftshaltung gut geeignet. Es kann mit anderen Exoten und Vögeln der eigenen Art vergesellschaftet werden.
Hier zeigt es sein ausgeprägtes Sozialverhalten. Auch besteht bei Gruppenhaltung eine größere Chance auf Nachwuchs. Leider kann man dann oft die Abstammung nicht garantieren.
Ich selbst habe sehr gut Erfahrungen bei der Volierenhaltung mit Spitzschwanz-, Maskenamadinen, Java-Bronzemännchen, Papageiamadinen und auch Ziertäubchen gemacht.

Man sollte sie möglichst nicht mit Silberschnäbelchen oder Malabarfasänchen vergesellschaften. Ich selbst hatte bereits vor Jahren in einem Nest mit jungen Silberschnäbelchen auch zwei Mischlinge.
Als ich vor mehr als 30 Jahren meine ersten Braunbrustschilfnonnen kaufte, konnte ich auch vier unausgefärbte Jungtiere bekommen. Zwei von diesen präsentierten sich dann nach mehreren Monaten als Mischlinge zwischen beiden Arten. Es waren vom Aussehen recht interessante Vögel. Ich habe sie dann nach einiger Zeit einem Zuchtfreund für die Schauvoliere überlassen.
Wenn Muskat-Bronzemännchen die Möglichkeit haben, errichten sie freistehende Nester im Gestrüpp oder zwischen Kiefernästen. Die Nester sind sehr voluminös. Muskat-Bronzemännchen lassen sich, nach meinen Erfahrungen nicht gern am Nest stören. Nehmen diese Störung aber nicht weiter übel. Die Nester umfassen 4 - 6 Eier, welche abwechselnd von beiden Elternteilen bebrütet werden. Die Jungvögel schlüpfen nach 13 Tagen. Wenn alles gut geht, verlassen sie nach 21 Tagen das Nest. Nach weiteren 14 tagen sind die Jungtiere selbständig.

Junge Muskat-Bronzemännchen sind zeichnungslos braun. Ihre endgültige Färbung bekommen sie im Alter von etwa sechs bis acht Monaten. Auf Grund ihres sozialen Verhaltens kann man die Jungtiere bedenkenlos bei den Eltern lassen, auch wenn sie sich bereits mit dem nächsten Gelege Beschäftigen.


Ernährung

Exotenmischung und Silberhirse, Glanz, rote Kolbenhirse, halbreife Kolben- und Silberhirse, auch tiefgefroren. Kräuter aus dem Garten und der Wiese.
Gurken und Zuchini.
Meine Vögel nehmen auch gern Buffalos und Mehlkäferlarven. Eifutter wir nur sehr sporadisch genommen.
Wie für alle körnerfressenden Exoten, sollte Grit in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, damit sich die Tiere je nach Bedarf bedienen können.


Besonderheiten

Wie viele Lonchuras und Munias haben auch die Muskat-Bronzemännchen ein enormes Krallenwachstum.
Hier ist helfend einzugreifen um den Tieren Beeinträchtigungen zu ersparen.
Eine Abnutzung der Krallen im Käfig und der Voliere ist nicht wie in der freien Natur gegeben. Auch wenn wir versuchen die natürlichen Bedingungen, wie Schilf und Rohr nachzustellen.
Sie lassen sich sehr gut im Schwarm aber auch als Einzelpaare halten.
Auf Grund der vielen Unterarten ist es recht schwierig passende Tiere für den eigenen Bestand zu bekommen.
Unser Ziel sollte aber möglichst die Unterartenreinheit sein.

Nachzuchtstatistiken 2007:
AZ
Lonchura punclutala (Linne, 1758) Muskatfink 47
Lonchura punclutala subundulata (Godwin-Austen 1872) Muskatfink 3
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Internationaler Lonchura Spezialclub Deutschland
Lonchura punctulata 6 Paare 24 Jungvögel
Lonchura p. Sumbae 1 Paar 10 Jungvögel
Lonchura p. blasie / nisoria keine

Zu bemerken wäre noch die Tatsache, das ich im letzten Jahr viele Muskat-Bronzemännchen vorgestellt bekamen. Hierbei konnte ich feststellen, das es vornehmlich Tiere der Unterarten L.p.punctulata, nisoria und topela waren. Leider sah ich auch viele Unterartenmischlinge. Hier sogar Bastarde mit dunklen Japanischen Mövchen. Diese Verpaarungen sollten unbedingt der Vergangenheit angehören.

Als angenehmen Volierenvogel kann ich, mit ruhigem Gewissen die Muskat-Bronzemännchen weiter empfehlen. Wenn man die Absicht hat zu züchten, so sollte man es unterartenrein tun.

Literaturempfehlung:
- R. Restall - Munias and Mannikins PICA-Press-Verlag
- H. Bielfeld - Das Prachtfinkenbuch ULMER-Verlag
- AZ - DKB - Exoten-Standard
- W. Fischer - Die Australischen Prachtfinken Albrecht Philler Verlag


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