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Das Silberschnäbelchen - Artikel VF 10//2008 Seite 429 ff.

in Silberschnäbelchen (Euodice cantans) 15.10.2008 00:20
von finkenfranke | 289 Beiträge | 293 Punkte

Das Silberschnäbelchen - fast unscheinbar, aber angenehm

Das Verbreitungsgebiet des Silberschnäbelchens (Euodice cantans) liegt in Afrika, besonders Nord- und Ostafrika.
Sein Lebensraum sind die Halbwüsten bzw. die trockenen Savannen.
Der Vogel ist hier an den Wasserstellen anzutreffen.

Im Aussehen ähnelt das Silberschnäbelchen sehr stark dem Malabarfasänchen (Euodice malabarica) und wird oft, vom Nichtkenner, mit diesen verwechselt.
Die Grundfarbe ist ein gelbliches Braun und lässt sich mit Creme oder Milchkaffee umschreiben. Die Oberschwanzdecken sind schwarzbraun. Eine dunklere Fleckung / Schuppung überzieht den Kopf und geht in eine Wellenzeichnung, welche sehr schwach ist, über.
Die Schnabelfarbe ist Silbergrau, welche letztendlich auch namensgebend ist.
Etwas 11 cm beträgt die Körpergröße, wobei Männchen etwas größer erscheinen können.
Das Aussehen der Silberschnäbelchen ist recht unscheinbar.
Dies ist wahrscheinlich auch der ausschlaggebende Grund, warum das Silberschnäbelchen gegenüber anderen Prachtfinken doch recht stiefmütterlich behandelt wird.

Entschädigend wirkt aber sein zutrauliches, sanftes und verträgliches Verhalten, sowie der wohlklingende, perlende Gesang, welcher mit geschlossenen Schnabel vorgetragen wird.
Der Gesang wird als sicherstes Merkmal für die Geschlechtsbestimmung herangezogen. Ich lasse meine Tiere, mit dem Einsetzen des Gesangs, absingen und kennzeichne diese dann mit offenen Plasteringen. Männchen bekommen bei mir einen schwarzen und Weibchen einen weißen Ring.
Somit kann man sie jederzeit auch in den Volieren richtig “ansprechen”.

Auf Grund der guten Verträglichkeit halte ich meine Silberschnäbelchen mit weiteren Prachtfinken, wie Grasamadinen, Papageiamadinen, Bronzemännchen, Lonchuras, Munias,
Kleinen Kubafinken, Chinesichen Zwergwachteln und Täubchen. Hier ist in der Brutzeit aber Vorsicht geboten. Ansonsten kann es vorkommen, das ein Elternteil auch mal mit anderen, artverwandten Vögeln fremd geht.
In dieser Zusammensetzung ziehe ich mit meinen Tieren auch regelmäßig Jungtiere nach.

Die Silberschnäbelchen erhalten bei mir halboffene Nistkästen. Die Nester werden bei all meinen Prachtfinken vorgeformt. Ansonsten gebe ich Kokosfasern und ein Baumwoll-Jute- Sisalgemisch in die Voliere. Auch werden recht gern die trockenen Stengel der diversen Gräser verbaut, welche ich als Futterstoffe den Tieren zur Verfügung stelle.
Durch einige Paare wurden, in den angebrachten Kiefernzweigen, auch schon freistehende Nester errichtet und erfolgreich Jungtiere großgezogen.

Zu erwähnen wäre noch, das ich bei den Männchen während der Balz, nur teilweise seinen Gesang mit Grashalm im Schnabel, feststellen konnte.

Das Weibchen legt in der Regel vier bis sechs Eier. In der Literatur wird angegeben, das Gelegestärken von drei bis sieben Eiern vorkommen.
Bei einer größeren Eizahl, so musste ich feststellen, ist meist ein Teil der Selben unbefruchtet.


Diese entferne ich dann nach fünf bis sechs Tagen ab Brutbeginn, um eine gute Bedeckung der restlichen Eier zu gewährleisten.

Die Brutdauer der Silberschnäbelchen liegt bei zwölf Tagen. Nach dem Schlupf haben die Jungen eine grauviolette Hautfarbe und sind gänzlich nackt.
Auffällig sind die großen, ausgedehnten Schnabelwinkelwülste von weißlicher Färbung.
Drei Wochen bleiben die Jungen im Nest und entwickeln sich täglich sichtbar.

Sie erhalten das übliche Prachtfinkenmischfutter, Silberhirse, Glanz, Eifutter mit Kräutern und Vitaminen, Vogelmiere und viele Gräser.
Regelmäßige Nestkontrollen erfolgen bei all meinen Prachtfinken. Sie werden auch von den Silberschnäbelchen nicht verübelt.
Nach dem Ausfliegen kommen die Jungen an den ersten Abenden wieder ins Brutnest zurück.
Die Jungen sind in ihrer Färbung dunkelgraubraun und am Unterbauch etwas heller.
Der Schnabel ist glänzend braun.
Streitereien zwischen den jungen Männchen und dem Vatertier konnte ich bisher, bei meinen Tieren nicht feststellen.
Somit verbleiben die Jungtiere länger, als bei anderen Prachtfinken üblich, bei den Eltern.

Meine Silberschnäbelchen werden teilweise in Vitrinen und in Volieren gehalten.
Es können auch mehrere Paare zusammen sein.
Hier kann man aber nicht für eine blutsfremde Zusammenstellung der Jungpaare garantieren.

Im Sommer fliegen meine Silberschnäbelchen in Außenvolieren und zeigen sich auch bei kälteren Temperaturen als widerstandsfähige Tiere.

Wichtig ist die Umsetzung der Forderung, nur Reinzuchten zu betreiben und Silberschnäbelchen nicht mit Malabarfasänchen oder anderen Arten zu kreuzen, obwohl dies möglich ist.
Wir würden sonst ungerechtfertigt in die Natur eingreifen, Arten und Formen dem Untergang preisgeben.
Wir Züchter müssen uns um die Erhaltung das Ursprünglichen bemühen und nicht wilde, unkontrollierte Züchterei betreiben.
In unseren Händen liegen die Geschöpfe der Natur, denn wir haben sie uns in die Vitrinen, Zuchtboxen und Volieren geholt. Somit sind wir auch für deren Erhaltung verantwortlich.

Silberschnäbelchen sind auf den Schauen gut vertreten.
Zwischenzeitlich gibt es auch die verschiedensten Farbvarianten wie Braun, Isabell, Braun-Isabell. Diese haben auf großen Schauen auch eigene Schauklassen.
Das Silberschnäbelchen ist von seinem Verhalten und Wesen ein sehr guter Schauvogel und
präsentiert sich wie gewünscht.

Zum Schluss sei noch bemerkt, das sich das Silberschnäbelchen, ähnlich wie das Japanische Mövchen und der Zebrafink, recht gut als “Anfängervogel” eignet. Ich selbst halte fast ununterbrochen, Silberschnäbelchen seit 1975 und möchte sie nicht missen.

Eugen Franke
Aschersleben, Juni 2008

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