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Die Braunkopfnonne (M. m. brunneiceps) - ein Zuchtbericht!

in Schwarzbauchnonne (Munia malacca) 08.03.2008 20:43
von Peter | 200 Beiträge | 313 Punkte

Die Braunkopfnonne – ein unscheinbarer, aber liebenswerter Vogelzwerg
Text und Fotos: Stefanie Seiler

Die Braunkopfnonne gehört heutzutage zu den am seltensten gehaltenen und gezüchteten Nonnen. Schon vor der Importsperre konnte man sie nur in wenigen Volieren finden. Der Hauptgrund hierfür dürfte v.a. ihr unscheinbares Gefieder in Verbindung mit ihrem scheuen Wesen sein. Befasst man sich aber ein wenig intensiver mit dieser Art, zeigt sich schnell, dass dieser für viele Vogelliebhaber langweilig erscheinende Vogel in Wirklichkeit ein überaus interessanter kleiner Geselle ist, der mit Robustheit, Langlebigkeit und einem hochinteressanten Sozialverhalten aufwarten kann.
Die Braunkopfnonne (M. m. brunneiceps) ist eigentlich „nur“ eine Unterart der Schwarzbauchnonne (Munia malacca), die mit 2 Rassengruppen und 10 bis 12 Unterarten eine sehr variantenreiche Vogelart darstellt. Zu ihr gehören z.B. auch die Dreifarbennonne (M. m. malacca) als Nominatform und die Schwarzkopfnonnen mit ihren zahlreichen Unterarten.

[attachment=4]braunkopf.jpg[/attachment]

Das ursprüngliche Habitat der Braunkopfnonne befindet sich in Indonesien, genauer gesagt auf dem südwestlichen Teil der Insel Sulawesi (früher: Celebes). Sie hat also ein relativ kleines Verbreitungsgebiet. Dort bewohnt sie wie die meisten Nonnen v.a. sumpfige Gegenden, Hochgras- und Schilfbestände. Als Kulturfolger hält sie sich auch gerne in großen Schwärmen in Reis- und Zuckerrohrfeldern auf.

Die Braunkopfnonne unterscheidet sich von all den anderen Schwarzbauchnonnen durch ihren kräftig dunkelbraun gefärbten Kopf. Der Rücken, die Flügel und die Körperseiten sind leuchtend kastanienbraun und das matte Schwarz des Bauches zieht sich weit bis fast zur Unterbrust hoch und schließt auch die Unterschwanzdecken mit ein. Die Oberschwanzdecken und der Bürzel erscheinen im Sonnenlicht leuchtend rotbraun. Der blaugraue Schnabel, die schmutzig grauen Ständer und die dunkelbraunen Augen runden die ebenmäßige Färbung des Vogels ab.
Männchen und Weibchen sind normalerweise gleich gefärbt, auch geübte Nonnenhalter können die Geschlechter nur schwer unterscheiden. Meiner Erfahrung nach „entfärben“ die Weibchen im fortgeschrittenen Alter ein wenig, so dass sie dann leichter zu erkennen sind. Zudem ist ihr Wesen unruhiger und ihr Kontaktlaut wirkt etwas höher als der der Männchen.
Die Jungvögel unterscheiden sich in der Gefiederfärbung beträchtlich von den Erwachsenen: der Kopf, der Rücken, die Flügel und die Oberschwanzdecken sind graubraun, wobei der Kopf einen etwas graueren und die Oberschwanzdecken einen mehr rötlich-gelben Schimmer aufweisen. Die Kehle ist hellgrau, die Brust, der Bauch und die Körperseiten sind kräftig crèmefarben. Der schwarze Schnabel ist gesäumt von weißen Schnabelrandwülsten, die sich aber relativ schnell zurückbilden.

Braunkopfnonnen sind sehr gesellige Vögel, die all ihre Unternehmungen aufeinander abstimmen. Während sie im „nackten Käfig“ meist nur scheu und panisch wirken, entfalten sie in einer geschützten Voliere ein sehr interessantes Sozialverhalten. Sie turnen mit Freude kopfüber auf fast senkrecht stehenden Ästen umher und spielen viel mit dem Geäst und der restlichen Einrichtung (dabei zerlegen sie gerne auch mal die halbe Volierenvegetation...).
Wie die meisten südostasiatischen Nonnen meiden sie nach Möglichkeit den Boden. Dieser wird bei mir nur zum Sammeln von Nistmaterial und zur gelegentlichen Aufnahme von Mineralstoffen aufgesucht (Taubenkuchen ist sehr beliebt). Dieser Tatsache sollte man auch bei der Ernährung gerecht werden: am besten bietet man das Futter auf erhöhten Podesten oder im Gezweig bzw. am Volierengitter an. Ein richtiges Aufblühen meiner Vögel kann ich beobachten, wenn ich ihnen halbreife Hirsen im ganzen Fruchtstand in meterhohen Bündeln anbiete, welche ich in sandgefüllte Tongefäße stecke. Sie turnen dann tagelang darin herum und wenden sich der normalen Fütterung erst wieder zu, wenn sie in den Hirsebüscheln kein einziges Korn mehr finden können. Sehr interessant ist es dabei zu beobachten, wie sie geschickt die Rispen mit dem Schnabel zu sich herziehen, diese mit den Füßen festhalten und dann Korn für Korn ausklauben.
Neben halbreifer Hirse und halbreifen Gräsern lieben Braunkopfnonnen v.a. auch Keimfutter, welches ebenfalls in erhöhten Futtergefäßen angeboten werden sollte. Das Grundfutter kann neben den größeren Hirsesorten (Silber-, La Plata-, Grüne Hirse) auch kleinkörnige Saaten enthalten. Senegal- und Mannahirse werden sehr gerne gefressen, ebenso die weichschalige Japanhirse. Erstaunlicherweise verweigern bei mir alle südostasiatischen Nonnen den Glanz, welchem die australischen Nonnen hingegen gut zusprechen. An Grünfutter gehen die scheuen Wildfänge nur sehr zögerlich – wenn sie sich aber mal trauen, dann fressen sie es sehr gerne. Neben den verschiedenen Salatsorten (Kopf-, Endivien-, Eichblattsalat) bevorzugen sie Chicorée und Spinat. Auch Möhrenkraut kann sehr begehrt sein – zumindest eignet es sich hervorragend zum Spielen... An Wildkräuter müssen sie ebenfalls erst gewöhnt werden, fressen sie dann aber sehr gerne: neben der obligatorischen Vogelmiere bevorzugen sie u.a. die verschiedenen Knötericharten. Meine südostasiatischen Nonnen verweigern im Gegensatz zu den Australiern alle tierischen Nahrungsquellen und ziehen ihre Jungvögel rein vegetarisch groß.

Zur Zucht benötigen Braunkopfnonnen neben den geeigneten Partnern v.a. auch Ruhe und Sicherheit. Ängstliche Vögel sind kaum zur Familiengründung zu bewegen, deshalb sollte zumindest ein Teil der Voliere guten Sichtschutz und einen Rückzugsraum bieten (am besten in Form von dichtem Gezweig, z.B. Kiefernästen, Kunsttannengrün u.ä.). Dort werden dann auch die Nester errichtet. Meine Braunkopfnonnen nutzen alle ihnen angebotenen Nisthilfen zum Nestbau: halboffene Nistkästen, große Hamstergraskugeln, kleine geflochtene Brotkörbchen und leere Kokosnüsse, wobei letztere eigentlich zu klein sind, um darin Jungvögel aufzuziehen. Und natürlich werden auch freistehende Nester in das vorhandene Gezweig gebaut. Als Nistmaterial nehmen meine Braunkopfnonnen v.a. lange Kokosfasern und gerne auch die leergefressenen Rispen der halbreifen Rispenhirsen. Lange trockene Gräser werden hingegen nicht beachtet.

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Die Gelegegröße schwankt zwischen drei und acht Eiern, im Durchschnitt legen die Hennen vier Stück, die dann tagsüber überwiegend von ihnen bebrütet werden. Schreiten Braunkopfnonnen erst einmal zur Brut, so entpuppen sie sich als vorbildliche Eltern, die jeden geschlüpften Jungvogel hervorragend aufziehen. Die sonst recht scheuen Tiere sitzen sehr fest auf dem Gelege bzw. auf den Neugeborenen, so dass man sie zur Nestkontrolle schon fast herunterscheuchen muss. Obwohl es schwierig ist, den genauen Brutbeginn festzustellen (Hahn und Henne sitzen anfänglich stundenweise im Nest), kann man regelmäßig nach rund 14 Tagen das erste Jungtiergewisper vernehmen. Während der Nestlingszeit wirken v.a. die Hennen sehr aufgeregt und geschäftig: sie warten dann förmlich auf das Keimfutter und die halbreife Hirsen. Die Bettelstimmen der Jungen sind immer sehr leise und bleiben es auch bis fast zum ersten Ausflug. Dieser findet bei normalen Gelegegrößen (3-5 Jungvögel) zwischen dem 20. und 21. Tag statt. [Lediglich bei Einzelvögeln kam bei mir das Jungtier deutlich früher aus dem Nest: einmal mit 18 Tagen, einmal sogar mit 14 Tagen, wobei diese Jungvögel natürlich noch nicht flügge waren und dementsprechend v.a. gefiedermäßig sehr unfertig wirkten.]

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Nach etwa sechs Wochen kann man normalerweise die ersten Anzeichen der Jugendmauser erkennen – meist beginnen die Jungvögel mit dem Brust- und Bauchgefieder. Das Umfärben zieht sich dann bis zu etwa einem halben Jahr hin. Versetzt man die Jungvögel während der Jugendmauser in großen Stress (v.a. das Separieren von den Altvögeln!), unterbrechen sie fast immer und sind mit ihr oft erst im Alter von neun bis zehn Monaten fertig.

Die ersten Gesangsübungen der Junghähne kann man mit etwa drei Monaten vernehmen, nonnentypisch sehr leise und bauchrednerisch. Allerdings sind sie gut zu erkennen, weil die Hähn(ch)e(n) oft auch ein entsprechendes Benehmen an den Tag legen (Gefiederplustern, z.T. sogar Balzverhalten wie Schnabelwischen etc.).

[attachment=2]braunkopf2.jpg[/attachment]

Abschließend kann ich die Haltung und Zucht dieser völlig unterschätzten Vogelart jedem interessierten Nonnenliebhaber ans Herz legen. Nicht nur ein schillerndes Gefieder macht eine Vogelart interessant, sondern auch deren Sozialverhalten und Schwarmtauglichkeit. Und dies kann die Braunkopfnonne auf jeden Fall bieten – ein sehr verträglicher Schwarmvogel mit einem hochinteressanten Sozial- und Balzverhalten!

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Text und Fotos (C) Stefanie Seiler

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RE: Die Braunkopfnonne (M. m. brunneiceps) - ein Zuchtbericht!

in Schwarzbauchnonne (Munia malacca) 17.04.2018 15:08
von christoph | 59 Beiträge | 107 Punkte

Eine nicht ganz gelungene Kopfstudie

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